Zurück am Arbeitsplatz

Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann wieder im Einsatz

Zurück am Arbeitsplatz

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

seit Anfang Oktober bin ich wieder zurück an meinem Arbeitsplatz als Ortsbürgermeister von Römerberg.

In den vergangenen knapp vier Monaten ist viel passiert. Es waren Monate, die mein Leben verändert haben und in denen ich lernen musste, meinen Alltag neu zu organisieren und manches mit anderen Augen zu betrachten. Meine Erkrankung war mehr als nur ein Warnschuss. Sie hat mir deutlich vor Augen geführt, dass Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist. Deshalb werde ich künftig noch bewusster auf mich und meine Gesundheit achten müssen.

Als es mir gesundheitlich wieder etwas besser ging, habe ich mich entschieden, mit meiner Krebserkrankung an die Öffentlichkeit zu gehen. Schließlich war meine längere Abwesenheit im Dorf nicht unbemerkt geblieben. Und wie das bei uns manchmal so ist: Der Dorffunk funktioniert zuverlässig, gelegentlich sogar schneller als das Internet – nur mit der Genauigkeit der Nachrichten hapert es bisweilen etwas. So wurde aus meiner Erkrankung hinter vorgehaltener Hand schon bald die Spekulation über mein bevorstehendes Ableben.

Da dachte ich mir: Bevor andere meine Lebensgeschichte zu Ende erzählen, melde ich mich doch lieber selbst zu Wort!

Aber es gab noch einen viel wichtigeren Grund für meine Offenheit. Ich möchte Menschen, die selbst an Krebs erkrankt sind oder in ihrem persönlichen Umfeld mit dieser Krankheit konfrontiert werden, Mut machen. Eine Krebsdiagnose ist zunächst ein gewaltiger Schock. Doch sie bedeutet nicht automatisch Hoffnungslosigkeit. Es gibt heute viele medizinische Möglichkeiten und vor allem unglaublich viele engagierte Menschen, die alles daransetzen, uns im Kampf gegen diese Krankheit zu helfen.

Dabei hatte eigentlich alles ganz anders angefangen.

Im Juni wollte ich lediglich für zwei Wochen in den Urlaub fahren. Ein wenig ausspannen, neue Kraft tanken und anschließend wieder mit frischem Elan an die Arbeit gehen. Schon seit Monaten hatte ich mich zunehmend kraftlos und erschöpft gefühlt. Ich dachte, ich sei einfach urlaubsreif.

Doch statt Erholung kam alles anders.

Im Krankenhaus am Urlaubsort, der SANA Klinik in Pegnitz, wurde ein Tumor im Dickdarm diagnostiziert. Es folgte ein Krankenhausaufenthalt mit einer erfolgreichen Operation im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer. Nach einer kurzen Genesungszeit zu Hause schlossen sich vier Wochen Rehabilitation in der Hamm Klinik in Bad Kreuznach an.

Dort wurde ich mit einem intensiven und wirkungsvollen Rehabilitationsprogramm wieder auf die Beine gebracht. Heute geht es mir gesundheitlich wieder sehr gut, und ich kann meinen Alltag weitgehend ohne Einschränkungen bewältigen. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Diese Monate haben mir aber auch noch etwas anderes gezeigt: wie wertvoll unser Gesundheitssystem ist.

Wir schimpfen gerne darüber, wenn wir lange auf einen Arzttermin warten müssen, wenn die Bürokratie überhandnimmt oder wenn die Krankenkasse nicht alle Kosten übernimmt. Und sicherlich gibt es vieles, was verbessert werden muss.

Ich durfte unser Gesundheitssystem jedoch von seiner besten Seite kennenlernen (Ich bin Kassenpatient). Und ich weiß heute noch mehr zu schätzen, welch hervorragende medizinische Versorgung wir in Deutschland haben.

Dabei sind es nicht allein moderne medizinische Geräte, neue Behandlungsmethoden oder hoch spezialisierte Kliniken, die dieses System ausmachen. Es sind vor allem die Menschen, die dort arbeiten.

Ob Reinigungskraft, Pflegekraft, medizinische Fachkraft, Ärztin oder Arzt, Mitarbeitende in der Therapie oder in der Verwaltung – sie alle leisten Tag für Tag eine unglaublich wichtige Arbeit. Sie helfen, sie pflegen, sie heilen, sie retten Leben. Und sie geben Menschen in schwierigen Situationen das Gefühl, nicht allein zu sein.

Diesen Menschen gilt mein ganz besonderer Dank.

Mein Dank beginnt bei meinem Hausarzt, der die richtigen Schritte eingeleitet hat. Er gilt aber auch drei Menschen, die ich vermutlich niemals kennenlernen werde: den Blutspenderinnen oder Blutspendern, deren drei Blutspenden meinen Blutverlust ausgeglichen haben.

Wenn man selbst plötzlich auf fremdes Blut angewiesen ist, bekommt das Thema Blutspenden eine völlig neue Bedeutung. Was für den Spender vielleicht nur eine halbe Stunde Zeitaufwand bedeutet, kann für einen anderen Menschen lebensrettend sein. Deshalb möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich dazu ermutigen, Blut zu spenden.

Ein ganz besonderer Dank gilt selbstverständlich auch meiner Chirurgin und dem gesamten Operationsteam für ihre hervorragende Arbeit.

Und ich möchte noch jemandem danken, den ich persönlich noch nicht kennengelernt habe: Herrn Dietmar Hopp und seiner Stiftung.

Diese hat im März 2023 durch die vollständige Übernahme der Kosten in Höhe von 3,3 Millionen Euro die Anschaffung eines hochmodernen Da-Vinci-Operationsroboters für das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer ermöglicht.

Mithilfe dieser modernen Operationstechnik konnte mein Tumor äußerst präzise entfernt werden. Obwohl dabei rund 60 Zentimeter meines Dickdarms entfernt werden mussten, kann ich heute nahezu ohne Einschränkungen leben.

Dass mir darüber hinaus eine Chemotherapie oder Bestrahlung erspart geblieben ist, empfinde ich als besonderes Glück.

Doch selbst die beste Medizin ist nur ein Teil dessen, was einem Menschen in einer solchen Situation hilft.

Mindestens genauso wichtig sind die Menschen, die an seiner Seite stehen.

Allen voran meine Frau Bettina und meine Kinder. Sie haben mich in diesen schwierigen Monaten begleitet, unterstützt, aufgebaut und sicherlich auch manche Sorge mit mir geteilt. Dafür kann ich gar nicht oft genug Danke sagen.

Ebenso danke ich meinem Freundeskreis, der mir mit vielen Gesprächen, guten Wünschen und aufmunternden Worten zur Seite gestanden hat.

Ein großes Dankeschön geht auch an meine beiden Mitarbeiterinnen im Vorzimmer sowie an unser Beigeordnetenteam. Sie haben während meiner Abwesenheit meine Aufgaben übernommen und dafür gesorgt, dass die Arbeit in unserer Ortsgemeinde zuverlässig weiterlief.

Ganz besonders danke ich meinem Vertreter Wilfried Röther, der in diesen Monaten die Verantwortung getragen hat.

Lieber Wilfried, Du hast jetzt aus eigener Erfahrung eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was es bedeutet, einer großen Ortsgemeinde wie Römerberg vorzustehen, die unterschiedlichsten Interessen unter einen Hut zu bringen und dabei möglichst allen gerecht zu werden.

Ich vermute, Du weißt inzwischen auch, warum ein Bürgermeister manchmal abends müder nach Hause kommt, als er morgens aufgestanden ist – obwohl er den ganzen Tag hauptsächlich geredet hat!

Für Deinen Einsatz, Deine Verlässlichkeit und Deine Bereitschaft, diese Verantwortung zu übernehmen, danke ich Dir von Herzen.

Und schließlich möchte ich mich bei Ihnen allen bedanken, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Die vielen Genesungswünsche, die mich auf ganz unterschiedlichen Wegen erreicht haben, haben mich tief berührt. Jede Nachricht, jede Karte, jedes persönliche Wort und jeder gute Gedanke haben mir Kraft und Zuversicht gegeben.

Es tut gut zu wissen, dass man in schwierigen Zeiten nicht allein ist.

Diese Erfahrung hat mir noch einmal deutlich gemacht, was unsere Dorfgemeinschaft auszeichnet: dass Menschen füreinander da sind, Anteil nehmen und zusammenhalten.

Ich habe in diesen vier Monaten viel gelernt. Vor allem, dass Gesundheit unser wertvollstes Gut ist, dass nicht alles im Leben planbar ist und dass man manchmal gezwungen wird, einen Gang zurückzuschalten.

Das fällt einem Menschen, der gerne anpackt und sich für seine Gemeinde engagiert, nicht immer leicht. Aber ich arbeite daran – auch wenn meine Frau Bettina vermutlich gelegentlich noch kontrollieren muss, ob ich meine guten Vorsätze tatsächlich einhalte.

Ich freue mich jedenfalls sehr, wieder im Amt zu sein, wieder für unsere Gemeinde arbeiten zu können und gemeinsam mit Ihnen die Zukunft Römerbergs zu gestalten.

Vielleicht mit etwas weniger Tempo als früher, aber mit genauso viel Freude, Herzblut und Engagement.

Und eines kann ich Ihnen versichern: Ich habe noch einiges vor – mit Römerberg und mit dem Leben!

Vielen Dank für Ihre Anteilnahme, Ihre Unterstützung und dafür, dass Sie sich die Zeit genommen haben, meine persönliche Geschichte zu lesen.

Bleiben Sie gesund und passen Sie gut auf sich auf!

Herzliche Grüße

Ihr Ortsbürgermeister

Matthias Hoffmann